Panikattacken – Wenn Dich die Angst dominiert! (Teil 1)

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Unwohl sein, schwitzige oder kalte Hände und Füße, Schwindel, hoher Puls und / oder hoher Blutdruck, Atemnot, etc. – Solltest Du einige dieser Symptome bei dir bemerken, kann es durchaus sein, dass du an einer Angst- oder Panikstörung bzw. an Panikattacken leidest.

Manchmal sind die Beschwerden und Symptome bei einer Angstattacke ähnlich wie bei einem Herzinfarkt, zumindest wird das von vielen Menschen so beschrieben. Auch ich selbst dachte damals, als ich meine erste Panikattacke hatte, dass es ein Herzinfarkt ist. Deswegen sollte man bei diesen Anzeichen auf jeden Fall einen Arzt zu Rate ziehen und dies abklären lassen.

Herzinfarkt ähnliche Symptome bei Panikattacken
Oft verwechselt man eine Panikattacke mit einem Herzinfarkt, da die Beschwerden ähnlich sein können.

In diesem ersten Teil der mehrteiligen Serie über Angststörungen und Panikattacken, möchte ich euch einen Überblick geben und euch erklären, was Angst- bzw. Panikattacken sind, warum man überhaupt Angst hat und welche möglchen Ursachen, Symptome und Auslöser dahinter stecken.

Da ich selbst unter diesen Attacken leide, kenn ich mich mit diesem Thema mittlerweile recht gut aus und weiß auch, wovon ich spreche. Deshalb möchte ich mein Wissen dazu mit euch teilen, die Interesse an diesem Thema haben, oder eben die Menschen damit ansprechen, die selbst mit dieser mitunter mühsamen „Krankheit“ leben müssen und nach neuen Wegen oder Tips suchen, diese besser in den Griff zu bekommen.

Angst

Was ist Angst?

Ein jeder kennt es und ein jeder hat es vor gewissen Dingen: ANGST

Doch nicht jeder verspürt oder entwickelt von den gleichen Dingen Angst, sondern es kommt auf jeden Menschen individuell an, wovor man sich fürchtet. Bei einigen Dingen entwickelt der eine mehr, der andere weniger und wieder ein anderer hat davor gar keine Angst. Es kommt mitunter auch darauf an, welche Erfahrungen man mit, oder in gewissen Situationen gemacht hat, damit sich die Panik „entfaltet“.

Das heißt, man kann und darf hier nicht pauschalisieren. Was für den einen eine Lapalie ist, ist für den anderen eine kleine „Katastrophe“.

Aber Angst an sich ist in diesem Sinn eigentlich keine Krankheit, sondern eine wichtige und oft lebensnotwendige Reaktion bzw. ein Schutzmechanismus unseres Körpers. Und diese entwickelte sich schon früh in der Evolution und ist bei nahezu jedem Lebewesen fest in der DNA verankert.

Normalerweise wird diese in Gefahrensituationen in Sekundenschnelle aktiviert: Man erkennt es oft wenn der Blutdruck steigt, das Herz zu rasen beginnt, wenn man schwitzt, die Atmung beschleuigt wird, es zu Muskelverspannungen und einigen weiteren Symptomen kommt. Das kann sich von Mensch zu Mensch anders auswirken bzw. können auch nur einige der genannten Beschwerden auftreten.

Das heißt: Die Syptomatik bei Panikattacken kann bei jedem Menschen unterschiedlich sein.

Aber wie gesagt: Diese Reaktion ist wichtig, da sie eben in Gefahrensituationen unseren Körper in Sekundenschnelle optimal auf das Fluchtverhalten darauf vorbereitet. Oder anders ausgedrückt: Das wir uns der Bedrohung stellen und dagegen ankämpfen.

Wir erleben diese Dinge relativ oft im Alltag, da wir auf Gefahren sehr schnell reagieren können, auch wenn es von uns erst Momente später bewusst wahrgenommen wird, was geschehen ist. Wir sind in der Lage, blitzschnell zur Seite zu springen, wenn z.B. ein Radfahrer auf uns zu rast, auch wenn wir diese Gefahrensituation nur unbewusst wahrnehmen.

Ich habe ein kurzes Video dazu erstellt, um es euch auch grafisch und anhand eines Beispiels etwas besser zu verdeutlichen, was es mit der Angst auf sich hat:

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Hoffentlich hilft euch das Video dabei, den Schutzmechanismus „Angst“ unseres Körpers besser zu verstehen. Es ist also ein ganz natürlicher Vorgang, um uns selbst (vor möglichen Gefahren) zu schützen.

Mehr Videos findet Ihr übrigens auf Strudis Blog YouTube-Kanal.

Komplizierter wird es dann, wenn der Körper bzw. die Psyche überreagiert. Das heißt, wenn die Angst im Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung unangemessen oder überzogen ist.

Dann spricht man von einer

Angsterkrankung

Geläufiger sind dafür die Namen „Panikattacke“, „Panikstörung“ oder „Angststörung“. Dies ist einer der häufigsten psychischen Erkrankungen. Bis zu 15% der Menschen leiden mindestens einmal im Leben an einer Angsterkrankung.

Wie oben schon gesagt, ist dies eine Überreaktion des Körpers. Er empfindet oft in einer an sich harmlosen Situation eine Bedrohung und daher baut sich über einen gewissen Zeitraum Angst auf, was dann Schlussendlich zur Panikattacke führt. Die Angst passt nicht mehr zur tatsächlichen Situation und weil man dann versucht diese Situationen so gut es geht zu vermeiden, führt das oft zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und außerdem ist es eine enorme Belastung für die Psyche.

Das Gefährliche daran ist die „Angst vor der Angst“. Man entwickelt vor den Panikattacken eine Angst, da man verständlicherweise keine Attacke haben möchte und deswegen meidet man bekannte Angstsituationen, oder Situationen in denen sich eine Panikattacke entwickelt hat.

Das heißt: Die Krankheit sind nicht die Panikattacken an sich, sondern eher die Angst vor der Panikattacke. Und dieser Kreislauf lässt sich schwer durchbrechen und man zieht sich in den meisten Fällen immer weiter zurück und meidet teilweise auch wichtige soziale Kontakte.

Dazu kommen sehr oft noch körperliche Begleiterscheinungen wie, Schwitzen, Herzrasen, Atemnot, Beklemmungsgefühl, Bluthochdruck etc. dazu. Zudem haben Leute mit Angststörungen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten zusätzlicher Erkrankungen wie Depressionen oder körperliche Beschwerden. Auch Medikamentenmissbrauch oder andere Abhängigkeiten können dadurch entstehen, da es sehr belastend sein kann.

Panikattacken in Ruhephase

Interessanterweise entwickelt sich eine Panikattacke sehr oft auch in Ruhephasen. Das heißt, wenn man gerade nicht wirklich viel macht wie z.B. Fern schauen oder wenn man einfach nur auf der Couch liegt. Bei mir persönlich ist das oft der Fall. Da taucht auf einmal ein mulmiges Gefühl auf, ich bemerke wie das Herz immer schneller pumpt, ich spüre wie sich die Hitze im Körper ausbreitet und der Blutdruck immer weiter in die Höhe schnellt.

Die Ruhephasen sind eine heimtückische Situation, da man zu viel über alle möglichen Dinge nachdenken kann. Man wiegt sich in Sicherheit und denkt man ist in einer entspannten Situation, aber im Unterbewusstsein wird dann ein bestimmter Gedanke als Gefahrensituation bewertet und das Chaos ist perfekt.

Kommen wir nun zu den häufigsten Symptomen, die bei einer Panikstörung auftreten können:

Symptome bei einer Panikattacke

Typische psychische Angstsymptome bei Panikattacken

  • Das Gefühl, das etwas unwirklich ist oder man selbst „nicht hier“ ist
  • Angst die Kontrolle über sich selbst zu verlieren oder verrückt zu werden
  • Angst zu sterben
  • Unsicherheit, Schwäche, Schwindel

Typische körperliche Angstsymptome bei Panikattacken

  • (unregelmäßiges) Herzklopfen bzw. Herzrasen, erhöhter Puls
  • Schwitzen, Mundtrockenheit
  • Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl
  • Schmerzen in der Brust
  • Übelkeit, Missempfindungen
  • Hitzewallungen oder kalte Hände und Füße
  • Gefühlslosigkeit, Kribbelgefühle

Wie weiter oben schon geschrieben, sind das oft eher unspezifische Symptome und können auch auf andere Krankheiten schließen. Deshalb sollte man unverzüglich einen Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen und diese Symptomatik undbedingt abklären lassen.

Auslöser von Panikattacken

Was genau die Auslöser von Panikattacken sind, kann nicht pauschalisiert werden und ist ebenso von Mensch zu Mensch verschieden, wie das Auftreten der Symptome.

Das ICD 10 („International Classification of Diseases“, 10. Revision) definiert verschiedene Diagnosen F4x.x der Angstzustände anhand der auftretenden Symptomatik. Diese werde ich im nächsten Teil dieser Artikelreihe näher erläutern.

Im nachfolgenden liste ich euch einige mögliche Auslöser für Panikattacken auf, wobei die Liste auf keinen Fall vollständig ist und bei jedem verschieden sein können.

Auslöser von Angst- und Panikattacken

  • privater oder beruflicher Stress (psychisch sowie physisch)
  • Kummer und Sorgen
  • Krankheit
  • Verlust (Tod im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, Jobverlust, Trennung, etc.)
  • finanzielle Probleme
  • Schicksalsschläge
  • Unfall
  • diverse unerklärliche Schmerzen am oder im Körper
  • Angst zu sterben
  • Menschenmassen
  • diverse Situationen in denen man schlechte Erfahrungen gemacht hat
  • und vieles mehr

Ihr seht, die Liste ist relativ lang.

Man fühlt sich auch oft nicht verstanden. Jemand, der keine Angststörungen kennt bzw. noch nie welche hatte, versteht nicht, wie beängstigend eine Panikattacke sein kann. Oft wird man nur belächelt und für verrückt gehalten. Man beginnt dann manchmal selbst an sich zu zweifeln.

Angsterkrankung durch Unfall

Bei mir haben sich die Panikattacken nach einem Autounfall im Jahre 2019, besser gesagt nach den Unfallfolgen, nämlich einem Pneumothorax, den ich zwei Mal hatte und nach der darauf folgenden OP, wieder verstärkt entwickelt.

Jedes Mal, wenn ich einen stärkeren Schmerz in der Lungengegend (manchmal auch an anderen Stellen) verspürte, hatte mich die Angst wieder fest im Griff und sie schaukelte sich auf. Obwohl sich im Nachhinein immer wieder raus gestellt hat, dass die Angst unbegründet und es einfach nur eine Fehlinterpretation des Angstzentrums war bzw. einfach falsch bewertet wurde.

Aber oft kann man da einfach nichts dagegen machen, denn der Schutzmechanismus des Körpers empfindet die Situation (z.B. ähnlich starke Schmerzen in der betroffenen Körperregion) als Gefahr, weil er es schon einmal durch gemacht hat und damals die Gefahr eben real WAR.

Und das ist der Teufelskreis an der ganzen Geschichte und man muss versuchen, aus diesem wieder raus zu kommen. Leider ist das nicht so einfach wie manche vielleicht glauben mögen und es verlangt viel an Übung und Training.

Welche Übungen und Methoden es gibt, um gegen die Panikattacken anzukämpfen, erkläre ich euch in einem der nächsten Teile dieser Artikelreihe.

Nicht aufgeben!

Zu guter letzt möchte ich euch noch sagen, wenn Ihr an einer Angst- oder Panikstörung leidet – „BITTE GEBT NICHT AUF UND VERZWEIFELT NICHT!“

Wie gesagt, es gibt Mittel und Wege, wie man diese Attacken besser in den Griff bekommen und sie gut abwenden kann, bevor sie richtig Fahrt aufnimmt und die Überhand bekommt.

Man spürt es oft, dass sich Panik und Angst aufstaut und dem kann man oft noch im selben Moment entgegenwirken. Mir persönlich gelingt es leider auch nicht immer, dies unter Kontrolle zu halten, obwohl ich die Methoden kenne, aber es wird besser. Manchmal ist die Angst leider noch immer zu groß, obwohl man weiß, dass es nichts anderes ist als ein Panikschub.

Ich bedanke mich fürs Lesen dieses Artikels! Ich hoffe Ihr konntet auch ein paar neue Informationen daraus ziehen. In Kürze geht es mit dem nächsten Teil dieser Serie weiter. Hoffentlich könnt Ihr einen Nutzen daraus ziehen und ich hoffe ich kann euch ein wenig helfen, mit dieser unangenehmen „Krankheit“ zurecht zu kommen.

Wenn Ihr selbst an Panikattacken leidet, würde ich mich über Kommentare von Euch sehr freuen. Vielleicht habt Ihr selbst ein paar Tips und Tricks, wie Ihr damit umgeht.

Vielen Dank und bis bald Euer Strudi!

Strudis Blog

1 Antwort

  1. 21. Januar 2021

    […] Angefangen von Sachbüchern, bis hin zu Esoterischen Themen und Lektüre für die Gesundheit (z.B. Panikattacken) ist ebenfalls einiges dabei. Aber dieser Lesestoff ist vorerst kein Thema für diese […]

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